Salzwedeler Apfelsaft von der Streuobstwiese an der Warthe

Die Naturschutzbehörde des Altmarkkreises Salzwedel hat vor 10 Jahren eine Streuobstwiese anlegen lassen. Es wurden dazu 180 Bäume gepflanzt, vorwiegend alte Apfelsorten, daneben einige Birnen- und Pflaumensorten. Die knapp 2,5 ha große Fläche liegt an der Straße „an der Warthe“ im Südwesten der Stadt. Die Bäume haben dieses Jahr das erste mal richtig gut getragen. Der Bestand wurde bisher nicht bewirtschaftet und es steht dringend eine Pflege der jungen Bäume an. Wir haben Kontakt zur Behörde aufgenommen und uns bei einer gemeinsamen Begehung überlegt mal einen Testballon zu starten und Apfelsaft aus den Äpfeln zu pressen.

Eigentlich wollten wir vor Ort eine große Mostaktion machen und die Wiese, die dort vorkommenden Obstsorten und den Saft vor- sowie die Notwendigkeit der regionalen Versorgung mit Obst öffentlichkeitswirksam darstellen. Dieses Jahr hat es vor Ort leider noch nicht geklappt weil kein ausreichend abgesicherter Stromanschluss vorhanden ist. Aber wir haben ca. 700kg Äpfel geerntet und diese dann in Zierau in Zusammenarbeit mit der mobilen Mosterei „Wilhelmine Tell“ zu Saft verarbeitet. Und nun stehen 400l richtig leckerer Apfelsaft im Schuppen.

Der Saft kann bei Grünland in Salzwedel und kistenweise bei uns gekauft werden. Der Preis setzt sich aus den Kosten der An- und Abfahrt, einer Ernte-Pauschale, einer Baumpflege-Pauschale und den Kosten für das Pressen, das Etikett und die Lagerung zusammen – im Laden kommt dann noch ein Verkaufspreis und die Mehrwertsteuer dazu. Plus Pfand. Da kommt was zusammen obwohl dabei niemand große Einnahmen erzielt und wir alle eine Menge Zeit investiert haben die sich garnicht in Geld umrechnen lässt.

Längerfristig sollte sich eine Streuobstwiese natürlich finanziell selber tragen, dass heisst die Bewirtschaftung inkl. Baumschnitt und Pflege der Wiese durch Mahd/Beweidung sollte durch die Erlöse aus dem Verkauf von Obst und Saft gegenfinanziert werden können. Dies ist aktuell nicht der Fall.

Im Prinzip müssten ja auch die Investitionen der Anlage der Streuobstwiese (also der Kauf der kleinen Bäume, des Pflanz-Materials, der Zaun drumrum, das Pflanzen und Gießen sowie die ersten Pflegeschnitte) eingerechnet werden…

Da sind sie wieder, die Probleme unserer Zeit – der Saft bei den Discountern der häufig von sonstwoher kommt und meist in Einwegverpackungen verkauft wird ist viel zu billig… und selber machen ist vielen Menschen fremd oder sie haben keine Zeit dafür. Dabei stehen hier und auch anderswo so viele schöne Apfelbäume in der Landschaft und hängen voller Äpfel. Aber sie werden nicht oder nicht ordentlich gepflegt, viele Bestände sind überaltert und die einzelnen Bäume sterben nach und nach weg, besonders jetzt wo es immer heisser und trockener wird. Nachgepflanzt wird nur selten – wer soll das bezahlen? Und die Bäume stehen den LandwirtInnen und dem Autoverkehr sowieso im Weg – und dabei bräuchten wir doch viel mehr Bäume und regionales Obst um dem Klimawandel und dem Artensterben etwas entgegenzusetzen…

Aus dem Erlös des Apfelsaftes gehen 0,20 € pro Flasche in die Pflege der Streuobstwiese und 0,10 € in die Anlage eines Agroforstsystems aus Apfelbäumen – wir hoffen über die Zeit einen regionalen Apfelbestand und ggf. auch sonstige Obst- und Nussbestände aufbauen zu können und halten Euch darüber auf dem Laufenden…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert